Willkommen

Refacon ist ein vom Ministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Förderung des Berufsbildungsexports durch deutsche Anbieter" gefördertes Projekt der beiden in Dortmund ansässigen Unternehmen Wirtschaftsdienst Handwerk GmbH und Gesellschaft für Bildung und Beruf (GBB) e.V.

Im Rahmen des Projekts werden innovative Lösungen für die nachhaltige Implementierung neuer Aus- und Weiterbildungsangebote im Bereich der Kälte-Klimatechnik in die Berufsbildungslandschaft Chinas entwickelt. Neben den Projektträgern Wirtschaftsdienst und GBB sind weitere Partner - vor allem in China - eingebunden.

Auf diesen Internetseiten werden im Überblick Informationen zu dem Projekt und erste Ergebnisse der bisherigen Projektarbeit vorgestellt.

Für Fragen zum Projekt können Sie sich jederzeit mit uns in Verbindung setzen!  

Lehrpläne

[A]

Verordnung über die Berufsausbildung zum Mechatroniker für
Kältetechnik/zur Mechatronikerin für Klimatechnik
     
     
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Bundesgesetzblatt Jahrgang 2007, Teil I Nr. 33,
ausgegeben zu Bonn am 25. Juli 2007
     
     
Lernfelder  
     
 [B] Übersicht über die Lernfelder für den Ausbildungs-
beruf Mechatroniker für Kältetechnik/
Mechatronikerin für Kältetechnik


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Informationen

Schule in China 
von Katja Meuß

 

QUELLE:
EINSICHTEN UND PERSPEKTIVEN
Bayerische Zeitschrift für Politik und Geschichte
URL zum Artikel "Schule in China
Authorin: Katja Meuß

 

I. Allgemein

Das Schulsystem

China besitzt ein Einheitsschulsystem, das man in vier Bereiche einteilen kann: Kindergarten und Grundschule, Mittelschule mit Unterstufe und Oberstufe, College und Universität, Erwachsenenbildung.

Da mehrheitlich beide Eltern berufstätig sind, besuchen die meisten Kinder ab drei Jahren einen Kindergarten. Im Allgemeinen wird hier auch Vorschulunterricht angeboten. Mit sechs Jahren kommen die Kinder in die Schule.

Die allgemeine Schulpflicht beträgt neun Jahre. Die 1. bis 6. Klasse ist die für alle Schüler einheitliche Grundschule (Elementary School), die 7. bis 9. Klasse bildet die Unterstufe der Mittelschule (Junior High School). Nach neun Schuljahren können Schüler die Oberstufe der Mittelschule (Senior High School) besuchen, was ihnen den Zugang zur Universität ermöglicht. Oder sie gehen auf eine dreijährige Berufsmittelschule, wo sie auf ihren späteren Beruf vorbereitet werden. Nach erfolgreichem Abschluss der Berufsmittelschule kann man ein College besuchen, um anschließend auf eine Fachhochschule zu kommen. Parallel zur Universität oder auch ihr angeschlossen gibt es diverse Colleges (2–jährig, 4–jährig). Das Hauptstudium an einer Universität dauert vier bis fünf Jahre.

Die Erwachsenenbildung bietet u.a. auch Kurse in den Bereichen Lesen und Schreiben an. Vor allem Menschen in wenig entwickelten Gebieten und über 50-Jährige nehmen das Angebot an, da sie oft nicht einmal neun Schuljahre absolviert haben oder während der Zeit der Kulturrevolution (1966–1976) nicht die Schule besuchen konnten. Im Gegensatz zu unserer Buchstabenschrift kann man bei einer Zeichenschrift (wie der chinesischen) vielleicht einfache Alltagstexte lesen, aber noch lange nicht schreiben.

Schulgebühren

Die Schulgebühren sind je nach Region und Schulart äußerst unterschiedlich. Ein mittleres Schulgeld für die Senior High School beträgt etwa 3300 Yuan (ca. 330 Euro) pro Jahr. Es werden immer mehr private Schulen für wohlhabende Eltern gegründet, deren Schulgeld weit höher liegt. Es gibt öffentliche Schulen, die deutlich weniger als 1000 Yuan (ca. 100 Euro) pro Jahr kosten. Diese gelten oft als nicht gut. Aber auch öffentliche Schulen verlangen während des Schuljahrs immer wieder diverse Sondergebühren.

In den ländlichen Regionen können viele Familien das Schulgeld für die Mittelschule nicht aufbringen. Das staatliche Unterstützungsprogramm für bedürftige Familien in ländlichen Gebieten reicht bei weitem noch nicht aus.

Die Regierung plant daher, die Schulgebühren vor allem in den ländlichen Gebieten ganz aufzuheben.

Chinesische Eltern investieren in die Ausbildung ihrer Kinder viel Geld. Es ist das einzige Kind, es geht um die Zukunftssicherung der Eltern, und alle Eltern haben eine hohe Erwartungshaltung, was die Zukunft ihrer Kinder betrifft.

Sprache und Schrift

In einem Riesenland wie China ist es schier unmöglich, dass alle die gleiche Sprache sprechen. Was China einigt, ist die Schrift, was es teilt, sind die Sprachen und Dialekte. Amtssprache ist das Putonghua, bei uns im Westen auch Mandarin genannt, das vor allem im Gebiet um Peking besonders rein gesprochen wird. Es gibt die Vorschrift, dass in allen Schulen und Hochschulen des Landes die Lehrer in Putonghua unterrichten sollen. In den Universitäten ist Putonghua auch de facto die Unterrichtssprache. Dass längst nicht in allen Schulen des Landes der Unterricht auf Putonghua geführt wird, zeigt die Tatsache, dass Studenten aus entfernten Provinzen bei Eintritt in die Universität einen Sprachtest in Putonghua ablegen müssen.


Wenn die Schüler in die Schule kommen, haben viele schon in der Vorschule oder mit eifrigen Eltern und Großeltern die ersten Schriftzeichen gelernt. Im ersten Schuljahr lernen die Schüler neben den chinesischen Schriftzeichen auch Pinyin, die Umschrift der Schriftzeichen mit lateinischen Buchstaben. Die Fähigkeit des Lesens der Pinyin-Umschrift verliert sich jedoch, da schon ab der zweiten Klasse das Pinyin vollständig weggelassen wird.

Prüfungen, Prüfungen!

Das Schuljahr gliedert sich in zwei Halbjahre, an deren Ende es die roten Zeugnishefte gibt, in denen auch Bemerkungen über das Verhalten der Schüler stehen.

In der Mitte und am Ende jedes Semesters werden Prüfungen abgehalten, das bedeutet jeweils drei Tage lang hintereinander Prüfungen in fast allen Fächern.

Da heißt es fit sein zum Termin! Die Prüfungstermine sind einheitlich. Während des Schuljahrs werden sonst keine weiteren Testarbeiten geschrieben. An der Nankai Junior High School werden üblicherweise in der zweiten Schulwoche im September Prüfungen abgehalten. Auf meine Frage, dass noch kein abfragbarer Stoff erarbeitet worden sei, hieß es: Es muss doch überprüft werden, ob die Schüler in den Sommerferien genügend gelernt haben. Die Tests sind so angelegt, dass maximal 100 Punkte erreicht werden. Das Ergebnis wird demzufolge auch in einer Punkteskala bis 100 (und nicht in Noten) angegeben.

Zweimal im Jahr gibt es Zeugnisse. 100 Punkte bekommt man für die beste Leistung, mit 59 Punkten hat man die geforderte Leistung nicht mehr erbracht. Dies bleibt vorläufig jedoch ohne weitere Auswirkungen. Erst beim Übertritt in eine weiterführende Schule (nach der 6., 9. und der 12. Klasse) erhält die Anzahl der Punkte eine Bedeutung. Ein Sitzenbleiben bzw. Wiederholen der Klasse kennt man nicht. Das Gesamtergebnis am Ende der 6. und 9. Klasse entscheidet darüber, ob man in die nächsthöhere Klasse aufsteigen kann. Wenn nicht, muss man in eine weniger gute Schule gehen. Leistungsstarke Schüler können nun auch versuchen, in eine renommierte und besser angesehene Schule zu wechseln. Den Übergang von der Nankai Junior High School (9. Klasse), z.B. in die Nankai Senior High School (10. Klasse), schaffen nicht mehr als 50 Prozent der Schüler. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass nur die besten Schüler die Senior High School besuchen.

Am Ende der 12. Klasse steht die Prüfung aller Prüfungen. Man kann kein Fach vorher abwählen, naturwissenschaftlich Begabte müssen sich in chinesischer Literatur auskennen, Sprachtalente quälen sich mit Mathematik und Physik. Die Prüfungsaufgaben werden zentral gestellt und erst am jeweiligen Prüfungstag an die Schulen übermittelt. Diese dreitägige Abschlussprüfung (gaokao) gilt als Zugang und Einstieg zum Universitätsstudium. Je nach der erreichten Punktzahl kann man sich bei einer mehr oder weniger renommierten Universität bewerben. Wem die Aufnahme an eine bessere oder gar eine der besten Universitäten des Landes gelungen ist, dem stehen im späteren Berufsleben die Tore offen. Diese Rangliste der Universitäten wird von den Schülern der Senior High School immer wieder heiß diskutiert. Jeder hofft natürlich, den Sprung an eine der zehn besten Universitäten zu schaffen.

Diese zentrale Abschlussprüfung wird sehr ernst genommen. Während der Prüfungstage haben die anderen Schüler keinen Unterricht, damit der Prüfungsverlauf nicht gestört wird. Die Straßen an den Schuleingangstoren werden für den Verkehr gesperrt, Baustellen in Schulnähe müssen an diesen drei Tagen ihre Arbeit einstellen, damit der Lärm nicht die Konzentration der Schüler stört.

Die Eingänge werden ganztägig vom Schulpersonal und von der Polizei überwacht, damit keine Eltern ins Schulgelände gelangen. Die Eltern bringen ihre Kinder an diesen Tagen morgens und nach der Mittagspause zur Schule und holen sie am Abend ab. Während des ganzen Tages warten nervöse Eltern und Großeltern in Scharen vor dem Schultor auf ihre Kinder. Diese Prüfung gilt als die wichtigste Prüfung im Leben eines jungen Menschen. Sie ist die Eintrittskarte in das weitere Leben. Für Schüler aus Peking, Shanghai oder Tianjin ist für ca. 1,6 Schüler ein Studienplatz vorhanden. In anderen Provinzen kommt auf ca. zehn Schüler nur ein Studienplatz. Daher ist hier der Kampf um die guten Noten auch härter.

Schule in Tangshan

Xiaoying kommt aus Tangshan, 150 km nördlich von Tianjin. Diese Stadt wurde 1976 vom Erdbeben stark zerstört, gehört aber heute zu den wohlhabenden Gebieten. Die ersten neun Schuljahre lebte Xiaoying bei ihrer Familie und besuchte auch dort die Schule, bevor sie an die Nankai High School in Tianjin wechselte. In Tangshan hatte sie ein härteres Schulleben als heute an der Nankai High School, findet sie. Aufstehen morgens um 6 Uhr, Unterrichtsbeginn war bereits um 7 Uhr. Für Mittag- und Abendessen gab es nur kurze Pausen in der Schulmensa, abends wurde der Unterricht in der Schule bis 22 Uhr fortgesetzt. Anschließend musste sie zu Hause noch Hausaufgaben anfertigen. Am Wochenende hieß es „Lernen, lernen, Hausaufgaben!“ Auf meine Verwunderung angesichts dieser massiven Beschulung meint sie emotionslos: Ach, man kann sich an alles gewöhnen und irgendwie muss ich es doch schaffen, die besseren – und besten – Noten zu bekommen. Denn ihr Ziel und das Ziel der Eltern und der Großeltern ist ein Studienplatz an einer der renommierten Universitäten Chinas. Dafür legt sich die Familie krumm, spart, verzichtet auf vieles, dafür lernt Xiaoying, seit sie zur Schule geht.


Es ist in China ein häufig diskutiertes Problem, dass viele Schüler unter permanentem Schlafdefizit leiden. Auch in der Nankai High School sehe ich Schüler schlafend im Unterricht, den Kopf auf die Tischplatte gelegt. Es liegt dann am jeweiligen Lehrer, wie er darauf reagiert.

Das Leben besteht aus Schule und nicht viel mehr. Einen Schultag wie in Tangshan gibt es an vielen Orten, seltener in Beijing, Shanghai oder Tianjin, sondern in den Provinzstädten. Begründet wird dies mit der Schwierigkeit, einen Studienplatz zu bekommen, wenn man eben nicht in einer der Metropolen wohnt.

Fremdsprachen im Schulbereich

In China ist Englisch ab der 3. Klasse als verpflichtende Fremdsprache eingeführt. Manche Schulen beginnen den Englischunterricht bereits ab der 1. Klasse. Andere Fremdsprachen werden – mit wenigen Ausnahmen – an Schulen nicht gelernt, sondern nur an Universitäten. Die Nankai High School in Tianjin bildet mit ihrem Angebot des Deutschunterrichts eine dieser Ausnahmen. Das Interesse an Deutsch und die Nachfrage nach Deutsch als Schulfach steigt jedoch ständig. In den sog. Foreign Language High Schools werden Fremdsprachen besonders intensiv gelernt. Foreign Language High Schools gehören im Allgemeinen zu den besten Mittelschulen der jeweiligen Stadt. Sie haben oft kleine Klassen (ca. 20 Schüler) und unterrichten die Fremdsprachen je nach Orientierung mit 6 bis 12 Wochenstunden.

Lehrer

Vier Jahre studieren die zukünftigen Lehrer an der „Normal University“ neben allgemeiner Pädagogik und Didaktik ein bestimmtes Ausbildungsfach. Das übliche Stundenmaß eines Lehrers beträgt 16 Unterrichtsstunden à 45 Minuten. Viele Lehrer unterrichten jedoch nur zwölf Stunden, manche aber auch 20 und mehr Stunden. Unabhängig vom Stundenmaß muss jeder Lehrer den ganzen Tag im Schulhaus verbringen. Diese allgemeine Anwesenheitspflicht der Lehrer gilt auch für mich. In der unterrichtsfreien Zeit bereitet man sich im Lehrerzimmer vor, korrigiert, surft im Internet, bildet sich mit Zeitunglesen weiter, hält ein Schwätzchen mit Kollegen. An meiner Schule hat jede Fachgruppe an einem Tag der Woche „interne Fortbildung“. Da bespricht man Probleme, diskutiert pädagogische Fragen und bereitet gemeinsam Unterrichtssequenzen vor.

 

Die Bezahlung der chinesischen Lehrer ist äußerst unterschiedlich. Ich will nur ein paar Beispiele nennen. Lehrer an der Nankai High School in Tianjin verdienen je nach Unterrichtsmaß und Funktion zwischen 250 und 360 Euro monatlich. Das kann durchaus als mittleres Einkommen betrachtet werden. Viele Lehrer können sich zudem durch Nachhilfeunterricht am Abend und am Wochenende ein zusätzliches Einkommen verschaffen. Lehrern an bestimmten Privatschulen in Tianjin werden Monatslöhne von 800 Euro und mehr angeboten. Im reicheren und entwickelten Südosten Chinas werden Lehrer oft besser bezahlt. 800 bis 1000 Euro plus freie Wohnung sind keine Ausnahme. In wenig entwickelten Provinzen sind die Lehrergehälter weitaus geringer, erreichen kaum 100 Euro.

 

II. Die Nankai High School in Tianjin

Schulgröße

Das riesige Areal der Nankai High School ist von hohen Mauern umgeben, zwischen den Gebäuden finden sich kleine Parkanlagen, mehrere Sportplätze und Zuschauertribünen. In den verschiedenen Gebäuden sind Unterrichtsräume, Sport- und Schwimmhallen, Wohnheime, Speisesäle, Verwaltungsräume und Tiefgaragen untergebracht. Auf dem Campus der Schule leben und arbeiten mehr als 5000 Schüler und knapp 600 Leute als Personal. Das sind Lehrer, Verwaltungsangestellte, Aufseher, Wach- und sonstiges Dienstpersonal. 1000 Schüler wohnen in der Schule im Internat. Wie in ganz China üblich, tragen alle Schüler eine einheitliche Schulkleidung, einen Trainingsanzug in den von der Schule gewählten Farben.

Die Nankai High School ist eine der großen Eliteschulen Chinas. Der frühere Premierminister und Außenminister Zhou En Lai und der jetzige Premierminister Wen Jia Bao haben an der Nankai High School gelernt. Der High School ist eine Grundschule (Elementarschule Klasse 1 bis 6) mit 600 Schülern angegliedert.

Durch die große Schülerzahl ergibt sich auch eine hohe Anzahl von Parallelklassen. Der 10. Schülerjahrgang hat z.B. 21 Parallelklassen, der 11. Schülerjahrgang hat 16 und der 12. Schülerjahrgang hat 15 Parallelklassen. In allen Klassen liegt die Schülerzahl bei 48 bis 62 Schülern.

Innerhalb einer Schule werden Parallelklassen unterschiedlicher Begabungen zusammengesetzt, wie z.B. mehr oder weniger leistungsstarke Klassen, sprachlich oder naturwissenschaftlich ausgerichtete Klassen.

Unterrichtstage sind Montag bis Samstag. Alle Schüler bleiben außer Freitag und Samstag bis 17.15 Uhr in der Schule, damit der Schulschluss einheitlich geregelt ist. In den Freistunden haben sie verschiedene Kurse (Schulchor, Schulorchester, Musikgruppen, Sportgruppen, Debattierclub, Peking-Oper-Gruppe u.a.) oder sie bearbeiten im Klassenzimmer Übungsblätter.


Internat

Im Internatsbereich der Nankai High School sind die besten Schüler des Landes versammelt. Jährlich veranstaltet die Nankai High School Aufnahmeprüfungen für auswärtige Schüler. Von 2000 Bewerbern für das Schulinternat wurden im vergangenen Jahr die 90 Besten ausgewählt. Diese Schüler werden auch psychologisch gut auf ein späteres Berufsleben vorbereitet, da der Internatsalltag hart und entbehrungsreich ist und sie nicht von Eltern und Großeltern verwöhnt und umworben werden. Zudem sind der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung unter den Internatsschülern auffallend groß und bilden ein Netzwerk für die Zukunft.

Lipeng kommt aus Taiyuan in Shanxi, 450 km von Tianjin entfernt. Jetzt lebt er im Internat und befolgt ohne Murren die extrem strengen Internatsregeln. Am Wochenende besucht er seine Eltern nicht, denn da würde er „ja keine Hausaufgaben machen und weniger lernen als im Internat“. Daher besuchen ihn seine Eltern auch nur dreimal im Jahr, um ihn „nicht vom Lernen abzulenken“. Im Internat leben die Schüler zu sechst in einem 24–qm-Zimmer: Unter den sechs Hochbetten jeweils ein Schreibtisch mit Schrank und Bücherregal. Die Schüler waschen ihre Kleidung selbst und putzen ihre Zimmer. Mehrmals täglich werden die Zimmer auf Ordnung und Sauberkeit kontrolliert, vom Aufsichtspersonal abgeschlossen und wieder aufgeschlossen. Es gibt kein Fernsehen, kein Computer, kein Kino und keine laute Musik. Das Schulgelände verlassen die Internatsschüler weder mittags noch abends. Nach dem Abendessen ist von 18.30 bis 21.30 Uhr Studierzeit im Klassenzimmer, um 22.30 Uhr wird das Licht in den Schlafsälen zentral ausgeschaltet bis zum Weckpfiff am nächsten Morgen. Lipeng allerdings sitzt jede Nacht noch bis 24 Uhr am Schreibtisch, neben sich eine Batterielampe und büffelt für die nächsten Probearbeiten. Ob denn die Zimmergenossen nicht durch das Licht gestört werden, frage ich. Nein, die arbeiten auch alle bis Mitternacht. Die Zimmergemeinschaft ist für die Schüler so etwas wie Familienersatz.

Lehrer

In meinem Lehrerzimmer stehen 16 Schreibtische, jeder Lehrer hat dazu einen Schrank. Alle Lehrer sind von der Schule mit einem Notebook ausgestattet worden und haben freien Internetzugang. Die Atmosphäre ist entspannt und locker, ausgesprochen humorvoll und hilfsbereit. Männliche und weibliche Kollegen sind gleichermaßen in den täglichen Putzdienst des Lehrerzimmers eingebunden. Der Anteil von Frauen und Männern im Kollegium ist etwa gleich hoch. Frühstück und Mittagessen nehmen die Lehrer in der Schule ein. An der Nankai High School gibt es für Lehrer und Schüler gemeinsam drei Schulkantinen. Die meisten Lehrer jedoch holen sich ihr Essen in einem Töpfchen in das Lehrerzimmer, essen dann am Schreibtisch neben dem Computer. Die Mittagspause ist frei, falls man nicht gerade Aufsicht in einer „Studierzeit“ hat, sie gehört also nicht zur dienstlichen Arbeitszeit eines Lehrers. Was tun, wenn die eigene Wohnung zu weit weg liegt? Ein Mittagsschlaf wäre jetzt angesagt! Dafür hat fast jeder Lehrer eine Art Liegestuhl bei sich, der im Allgemeinen unauffällig zusammengeklappt neben dem Schreibtisch steht. In der Mittagspause wickelt man sich in Wolldecken ein und hält ein kurzes Schläfchen. Zu dieser Zeit herrscht in den ansonsten recht lärmigen Lehrerzimmern eine angenehme Stille.

Militärschulung

Der 1. September ist in ganz China alljährlich der erste offizielle Schultag. In der Nankai High School tragen die Schüler heute die festliche Variante der einheitlichen Schulkleidung. Der Einzug der Schüler am Morgen wurde bereits vielmals geübt und klappt hervorragend. Eine Klasse nach der anderen schreitet im Gleichschritt und in exakt ausgerichteten Reihen rund um den Sportplatz bis zur jeweiligen Aufstellungsmarke. Wenn alle 5000 Schüler still stehen, ertönt zuerst die chinesische Nationalhymne, dabei wird die chinesische Nationalflagge aufgezogen, dann erklingt die Schulhymne (Melodie von „O Tannenbaum“) und das Schulbanner wird hoch gezogen.

Nach mehreren Ansprachen zeigen die 300 neuen Schüler, was sie in der vergangenen Woche gelernt haben. In sieben Tagen hartem Training täglich zehn Stunden lang haben sie einen Crashkurs in Militärschulung durchgemacht: marschieren, exerzieren, Parade im Stechschritt, Umgang mit dem Gewehr, Schießübungen (ohne Munition), das alles im Tarnanzug, den ganzen Tag der heißen Sonne ausgesetzt. Der Aufmarsch ist beeindruckend!

 

III. Stolperfallen im chinesischen Schultag

Als mich das Bayerische Kultusministerium vor meiner Entscheidung für einen Einsatz in China warnte, dass in allen Klassen 50 Schüler säßen, glaubte ich das irgendwie nicht so recht. Wie sich dann herausstellte, sitzen in meinen Klassen 48 bis 54 Schüler, in der Schule gibt es jedoch Klassen mit bis zu 62 Schülern. Ich unterrichte Deutsch von der 7. bis 12. Klasse, mit 2 bis 4 Wochenstunden pro Klasse. Im vergangenen Jahr waren alle meine Schüler Anfänger.

Natürlich hatte ich ein bisschen Angst vor der ersten Unterrichtsstunde in einer chinesischen Klasse. Dieses leichte Schaudern erinnerte mich an meine allererste Unterrichtsstunde vor mehr als 30 Jahren. Erfahrene Kollegen halfen mir damals und meinten, das sei alles nicht so schwierig und würde sich im Laufe der Zeit schon ergeben. Jetzt unterrichte ich im zweiten Jahr Deutsch als Fremdsprache (DaF) und bin die einzige Deutschlehrerin der Schule. Nach dem ersten Jahr haben sich manche Probleme verringert, andere Schwierigkeiten bleiben bestehen.

Vor meinem ersten Unterricht bat ich zwei Englischlehrerinnen, ob ich in ihrem Unterricht hospitieren dürfe. Mir ging es hauptsächlich darum, ritualisierte Rahmenbedingungen in einer chinesischen Klasse kennen zu lernen: Unterrichtsanfang, wie melden sich die Schüler, wie werden sie aufgerufen, Verhaltensmodi des Lehrers etc. Wichtig war mir auch, wie viel oder wie wenig Disziplin erwartet ein chinesischer Lehrer, was kann ich in dieser Hinsicht von den Schülern verlangen, welcher Lärmpegel ist noch tolerierbar. Von meinen früheren Auslandseinsätzen weiß ich, dass es sinnvoll ist, die äußeren Rahmenbedingungen einzuhalten. Man könnte dagegen halten, dass die Schüler doch gerade fremdes, eben deutsches Verhalten kennen lernen sollten. Die chinesischen Schüler werden jedoch mit so viel merkwürdigem, zum Lachen reizendem Verhalten des deutschen Lehrers konfrontiert, dass es gut ist, sie nicht zu überfordern. Überdies fördert es die Disziplin, wenn ich wenigstens den formalen chinesischen Rahmen kopiere.

Oft stehen chinesische Lehrer während des gesamten Unterrichts vorne auf der erhöhten Plattform. Geschrieben wird viel, gesprochen weniger!

Um im Klassenzimmer umherzugehen, wie ich es gerne mache, fehlt es an Platz. Tische und Stühle sind so eng gestellt, dass ich kaum durchgehen kann. Ich habe mir bei entsprechenden Versuchen schon Löcher in die Kleidung gerissen. Die Schultaschen haben die Schüler hinter sich auf die Sitzfläche des Stuhls geklemmt. Auch wenn die Schüler leise sind, ist der Lärmpegel im Klassenzimmer hoch: Die Türen zum Gang stehen immer offen, die Fenster lassen Straßenlärm herein, die Ventilatoren surren laut (notwendig bei Zimmertemperaturen von über 30° Celsius von Mitte Mai bis Anfang Oktober), die Stühle und Füße scharren und die schiere Anwesenheit von 50 Schülern schafft Geräusche. Nach meinem Unterricht bin ich nass geschwitzt – klar, bei der Hitze!


Ein Problem ist, dass chinesische Schüler nicht gerne eine falsche Antwort geben. Sie versuchen oft sich dem Problem der „Antwort“ zu entziehen. Entweder sie melden sich kaum oder gar nicht oder sie sprechen so leise, dass sie weder für mich noch für die Mitschüler zu verstehen sind. Es ist üblich, dass jeder Schüler aufsteht, wenn er etwas sagt. Das macht die Antwort auch psychologisch zu einer Art „statement“ und nicht zu einem vorläufigen Beitrag in einem sich ständig verändernden Unterricht. In Deutschland finde ich es manchmal wichtig, dass falsche Antworten kommen. Denn am Beispiel fehlerhafter Antworten kann ich den Lösungsweg besser verdeutlichen.

In China streicht eine falsche Antwort einen Schüler negativ heraus, dem weicht er lieber aus – durch Schweigen oder durch eine geflüsterte Antwort.

Insgesamt zeigen chinesische Lehrer nur selten Emotionen, fragen auch bei den Schülern keine Gefühle ab. Fragen nach dem „Warum?“ oder nach der Einschätzung der eigenen Situation sind nicht üblich. Es gibt einige Lehrer, bei denen die Schüler regelmäßig laut lachen. Das gefällt mir. Ich selbst habe das im ersten Jahr noch nicht so oft zuwege gebracht, auch wegen der fehlenden Sprachkenntnisse. Ja, die Kommunikation zwischen mir und den Schülern ist nicht so einfach. Wo es nur geht, behelfe ich mich mit den Lernwörtern, mit Demonstrationsmaterial und mit Zeichensprache. Manches sage ich auf Englisch, wobei die Englischkenntnisse je nach Schullaufbahn der Schüler stark variieren. So viel wie möglich verständige ich mich auf Deutsch. Aber was kann man von Lernanfängern erwarten? Niemand in meiner Umgebung spricht Deutsch. Das ist für mich eine starke Motivation Chinesisch zu lernen. Meine chinesischen Sprachkenntnisse werden auch täglich besser, sie erleichtern inzwischen manche Situationen. Die Schüler sind immer wieder entzückt über meine Sprechversuche.

In jedem Klassenzimmer befindet sich vorne, vor der Tafel, ein etwa ein Meter breites und 20 Zentimeter hohes Podest, an den Seiten oval auslaufend. Normalerweise steht der chinesische Lehrer erhöht auf dem Podest ans Pult gelehnt. Vom ersten Tag an wusste ich, dass dies für mich eine Stolperfalle darstellen würde. Ich bin eine lebhaft agierende Lehrerin, meine Unterrichtsinhalte demonstriere ich gerade im DaF-Unterricht gerne mit Mimik und Gestik, mit Tafelzeichnungen und mit Musik. Sieben Monate lang turnte und tanzte ich auf diesem Podest herum ohne einen Sturz. Dann allerdings knallte es richtig: heruntergesaust, voll auf den Po gefallen, aber schnell wieder aufgestanden. Ich musste lachen, da ich diesen Sturz schon lange erwartet hatte. Die Schüler waren reizend, einige kamen herbeigelaufen, mit ihrem „Can I help you?“ beschämten sie mich ein wenig. Körperlich nicht schmerzhaft, aber ich empfand die Situation dann doch als peinlich – natürlich! Wenn ich in Deutschland meinen Schülern zu Füßen fiele, würde ich mich auch genieren. Interessant fand ich, dass die Schüler nicht, wie nach asiatischem Verhaltenscodex zu erwarten, in lautes Lachen ausbrachen, sondern nur vorsichtig guckten. Wahrscheinlich ist die Ehrfurcht vor dem Lehrer dann doch zu hoch.

In den meisten meiner Klassen ist das Thema Disziplin keine Frage für mich, ebenso wenig wie in Deutschland. Allerdings gab es eine achte Klasse, mit der ich so meine Probleme hatte. Wenn in einer Klasse ein paar Störenfriede sitzen, hilft manchmal die schönste Pädagogik nichts, die Schüler machen nicht mit. Das ist in China genauso wie in Deutschland. Wenn die Schüler zudem das Gefühl haben, zusätzlich zum Englischen eine zweite Fremdsprache lernen zu müssen, die ihnen scheinbar nichts bringt, ist es für mich als Lehrer schwer, die Schüler zu motivieren. Neulich hatte ein Schüler der 8. Klasse vor sich auf dem Tisch einen mit Batterie betriebenen Miniventilator zur Kühlung seiner oberen Körperteile aufgestellt und zeigte sich mehr an den technischen Details dieses Apparates interessiert als am Unterricht. Ich überlegte, ob ich ihm den wegnehmen sollte, befürchtete jedoch einen chinesischen Wortschwall, am Ende noch unterstützt von anderen Schülern. Verbal stehe ich auf der schwächeren Position. Ich kann eben nicht mit den Schülern diskutieren oder Probleme besprechen.

Die Auswahl der möglichen Disziplinierungsmaßnahmen ist nicht einfach, da mir die Englischlehrer erzählten, sie dürften den Schülern keine Strafen geben, die zu Hause erledigt werden müssen, sonst rebellieren die Eltern. Diese verwöhnen ihre Kinder mehr, als es europäische Eltern tun. Die Lehrer schreiben auch keine Briefe oder Mitteilungen nach Hause, und Verweise existieren nicht. Dagegen werden die Elternsprechstunden im Lehrerzimmer vor den Augen und Ohren aller Anwesenden geführt.

Chinesische Lehrer haben andere Verfahren mit schwierigen Schülern umzugehen. In meinem Lehrerzimmer mit den 16 Lehrern spielt sich täglich schulisches Alltagsleben ab.

Das Lehrerzimmer ist auch ständig von Schülern bevölkert. Oft schreiben Schüler im Stehen, das Heft an die Wand gedrückt, Strafarbeiten oder Übungsaufgaben ab. Viele Schüler müssen einfach eine Zeitlang „in der Ecke stehen“. Oder sie rezitieren vor dem Lehrer lange Passagen eines auswendig gelernten Stoffes.

Häufig müssen Schüler endlos lange Standpauken über sich ergehen lassen. Diese mehr oder minder lautstarken Strafreden dauern manchmal eine halbe Stunde, unterbrochen nur vom Luftholen des Lehrers oder einem Schluck Tee oder einfach einer Pause zum Nachdenken über die weiteren Belehrungen. Der Schüler bleibt während der ganzen Zeit stumm vor dem Lehrer stehen, die Augen gesenkt, die Hände zusammengelegt. Nur einmal habe ich es erlebt, dass ein Schüler es wagte, Widerworte geben. Dieses Verhalten wurde von allen Lehrern einhellig abgelehnt. Und nur einmal habe ich gesehen, dass eine ältere Lehrerin die Haltung verlor, einem Schüler gegenüber unverhältnismäßig laut wurde und zu schreien begann. Schlechtes Benehmen der Schüler wird auch durch folgende unbeliebte Strafen geahndet: Kehren und Wischen des Lehrerzimmers, Säubern der Schulhaustreppen, Übernahme der Reinigungsarbeiten anderer Schüler.

Ein chinesisches Problem: Die Schüler haben sehr schlechte Augen. Nach einer offiziellen Erhebung heißt es, dass von allen Schulabgängern 74% fehlsichtig sind. Dabei sind jedoch diejenigen noch nicht eingerechnet, die trotz starker Kurzsichtigkeit keine Brille tragen. Gründe für die schlechte Sehfähigkeit werden viele genannt, einer liegt sicherlich in den wegen Papiermangels äußerst klein geschriebenen chinesischen Schriftzeichen mit bis zu 24 Strichlein pro Zeichen. Für mich bedeutet das ganz praktisch: Meine Tafelanschrift muss ich doppelt groß machen. Und trotzdem können Schüler in der ersten Reihe, mit oder ohne Brille, die Wörter oft nicht lesen. Tafeltexte werden von den meisten Schülern mit einer höheren Fehlerzahl als Buchtexte abgeschrieben.

Gelegentlich bekomme ich englisch geschriebene Briefchen von den Schülern. Sie lieben meinen Unterricht, sie finden mein Lachen so schön, sie freuen sich, dass ich zu jeder Stunde fröhlich komme. Wenn ich über den Schulcampus gehe, werde ich von den Schülern mit einem „Guten Tag, Frau Meuß!“ begrüßt. In dieser chinesischen Umgebung klingt das wie ein Stück Heimat für mich. Ich freue mich, wenn Schüler mir etwas erzählen wollen und dabei mit einem Gemisch aus Chinesisch, Englisch und Deutsch radebrechen. Nach einem Jahr Unterricht an der Nankai High School merke ich, dass ich trotz aller Schwierigkeiten etwas bewirke und Erfolge habe.

Katja Meuß ist Konrektorin und als Landesprogrammlehrkraft im Rahmen des Lehrerentsendeprogramms als Lehrerin in China tätig.

Projektbeschreibung

Entwicklung und Vermarktung von Ausbildungs- und Qualifizierungsmodulen im Bereich der Kälte- und Klimatechnik für den chinesischen Bau-Markt

I. Ziele

Die Unternehmen Wirtschaftsdienst Handwerk GmbH und Gesellschaft für Bildung und Beruf e.V. wollen mit dem vorliegenden Projekt Ausbildungs- und Qualifizierungsmodule für das Segment der Kälte- und Klimatechnik in China entwickelt. Vier verschiedene Partner in China (Peking, Nanjing, Jinan) wollen die Module vermarkten.

Die Kälte- und Klimatechnik ist eine der zentralen "Stellschrauben" im Bereich des energieeffizienten Bauens. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen werden 14 % der in Deutschland eingesetzten Elektroendenergie in diesem Bereich verbraucht. Für China kann ein weitaus höherer Anteil angenommen werden.

Für China gibt es hier keine verlässlichen Zahlen, aber in der Industriemetropole Shanghai entfallen bis zu 40% des städtischen Stromverbrauchs auf die zunehmend eingesetzten Klimaanlagen.

Ohne Zweifel kann der Export deutscher Produkte im Bereich der Kälte- Klimatechnik gefördert werden, wenn in China selber gut ausgebildete Fachkräfte in diesem Bereich vorhanden sind. Nach Auskunft des VDMA (Verband Deutscher Maschinenund Anlagenbau e.V.) exportierte Deutschland im Jahr 2007 für ca. 200 Mio. Euro im Bereich Klima-, Lüftungs- und Luftreinhaltungstechnik sowie 65 Mio. im Bereich der Kältetechnik. Der deutsche Anteil am Markt für Kälte- und Klimatechnik in China selbst ist aber höher, da eine Reihe deutscher Produzenten selber in China produzieren. Das Renommee der deutschen Technik im Bereich Kälte- Klima ist in China sehr hoch und kann durch die Bereitstellung von Kompetenzen in Form von Qualifizierungen bzw. Ausbildungen noch gesteigert werden.

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