Informationen

Schule in China 
von Katja Meuß

 

QUELLE:
EINSICHTEN UND PERSPEKTIVEN
Bayerische Zeitschrift für Politik und Geschichte
URL zum Artikel "Schule in China
Authorin: Katja Meuß

 

I. Allgemein

Das Schulsystem

China besitzt ein Einheitsschulsystem, das man in vier Bereiche einteilen kann: Kindergarten und Grundschule, Mittelschule mit Unterstufe und Oberstufe, College und Universität, Erwachsenenbildung.

Da mehrheitlich beide Eltern berufstätig sind, besuchen die meisten Kinder ab drei Jahren einen Kindergarten. Im Allgemeinen wird hier auch Vorschulunterricht angeboten. Mit sechs Jahren kommen die Kinder in die Schule.

Die allgemeine Schulpflicht beträgt neun Jahre. Die 1. bis 6. Klasse ist die für alle Schüler einheitliche Grundschule (Elementary School), die 7. bis 9. Klasse bildet die Unterstufe der Mittelschule (Junior High School). Nach neun Schuljahren können Schüler die Oberstufe der Mittelschule (Senior High School) besuchen, was ihnen den Zugang zur Universität ermöglicht. Oder sie gehen auf eine dreijährige Berufsmittelschule, wo sie auf ihren späteren Beruf vorbereitet werden. Nach erfolgreichem Abschluss der Berufsmittelschule kann man ein College besuchen, um anschließend auf eine Fachhochschule zu kommen. Parallel zur Universität oder auch ihr angeschlossen gibt es diverse Colleges (2–jährig, 4–jährig). Das Hauptstudium an einer Universität dauert vier bis fünf Jahre.

Die Erwachsenenbildung bietet u.a. auch Kurse in den Bereichen Lesen und Schreiben an. Vor allem Menschen in wenig entwickelten Gebieten und über 50-Jährige nehmen das Angebot an, da sie oft nicht einmal neun Schuljahre absolviert haben oder während der Zeit der Kulturrevolution (1966–1976) nicht die Schule besuchen konnten. Im Gegensatz zu unserer Buchstabenschrift kann man bei einer Zeichenschrift (wie der chinesischen) vielleicht einfache Alltagstexte lesen, aber noch lange nicht schreiben.

Schulgebühren

Die Schulgebühren sind je nach Region und Schulart äußerst unterschiedlich. Ein mittleres Schulgeld für die Senior High School beträgt etwa 3300 Yuan (ca. 330 Euro) pro Jahr. Es werden immer mehr private Schulen für wohlhabende Eltern gegründet, deren Schulgeld weit höher liegt. Es gibt öffentliche Schulen, die deutlich weniger als 1000 Yuan (ca. 100 Euro) pro Jahr kosten. Diese gelten oft als nicht gut. Aber auch öffentliche Schulen verlangen während des Schuljahrs immer wieder diverse Sondergebühren.

In den ländlichen Regionen können viele Familien das Schulgeld für die Mittelschule nicht aufbringen. Das staatliche Unterstützungsprogramm für bedürftige Familien in ländlichen Gebieten reicht bei weitem noch nicht aus.

Die Regierung plant daher, die Schulgebühren vor allem in den ländlichen Gebieten ganz aufzuheben.

Chinesische Eltern investieren in die Ausbildung ihrer Kinder viel Geld. Es ist das einzige Kind, es geht um die Zukunftssicherung der Eltern, und alle Eltern haben eine hohe Erwartungshaltung, was die Zukunft ihrer Kinder betrifft.

Sprache und Schrift

In einem Riesenland wie China ist es schier unmöglich, dass alle die gleiche Sprache sprechen. Was China einigt, ist die Schrift, was es teilt, sind die Sprachen und Dialekte. Amtssprache ist das Putonghua, bei uns im Westen auch Mandarin genannt, das vor allem im Gebiet um Peking besonders rein gesprochen wird. Es gibt die Vorschrift, dass in allen Schulen und Hochschulen des Landes die Lehrer in Putonghua unterrichten sollen. In den Universitäten ist Putonghua auch de facto die Unterrichtssprache. Dass längst nicht in allen Schulen des Landes der Unterricht auf Putonghua geführt wird, zeigt die Tatsache, dass Studenten aus entfernten Provinzen bei Eintritt in die Universität einen Sprachtest in Putonghua ablegen müssen.