Informationen

Es ist in China ein häufig diskutiertes Problem, dass viele Schüler unter permanentem Schlafdefizit leiden. Auch in der Nankai High School sehe ich Schüler schlafend im Unterricht, den Kopf auf die Tischplatte gelegt. Es liegt dann am jeweiligen Lehrer, wie er darauf reagiert.

Das Leben besteht aus Schule und nicht viel mehr. Einen Schultag wie in Tangshan gibt es an vielen Orten, seltener in Beijing, Shanghai oder Tianjin, sondern in den Provinzstädten. Begründet wird dies mit der Schwierigkeit, einen Studienplatz zu bekommen, wenn man eben nicht in einer der Metropolen wohnt.

Fremdsprachen im Schulbereich

In China ist Englisch ab der 3. Klasse als verpflichtende Fremdsprache eingeführt. Manche Schulen beginnen den Englischunterricht bereits ab der 1. Klasse. Andere Fremdsprachen werden – mit wenigen Ausnahmen – an Schulen nicht gelernt, sondern nur an Universitäten. Die Nankai High School in Tianjin bildet mit ihrem Angebot des Deutschunterrichts eine dieser Ausnahmen. Das Interesse an Deutsch und die Nachfrage nach Deutsch als Schulfach steigt jedoch ständig. In den sog. Foreign Language High Schools werden Fremdsprachen besonders intensiv gelernt. Foreign Language High Schools gehören im Allgemeinen zu den besten Mittelschulen der jeweiligen Stadt. Sie haben oft kleine Klassen (ca. 20 Schüler) und unterrichten die Fremdsprachen je nach Orientierung mit 6 bis 12 Wochenstunden.

Lehrer

Vier Jahre studieren die zukünftigen Lehrer an der „Normal University“ neben allgemeiner Pädagogik und Didaktik ein bestimmtes Ausbildungsfach. Das übliche Stundenmaß eines Lehrers beträgt 16 Unterrichtsstunden à 45 Minuten. Viele Lehrer unterrichten jedoch nur zwölf Stunden, manche aber auch 20 und mehr Stunden. Unabhängig vom Stundenmaß muss jeder Lehrer den ganzen Tag im Schulhaus verbringen. Diese allgemeine Anwesenheitspflicht der Lehrer gilt auch für mich. In der unterrichtsfreien Zeit bereitet man sich im Lehrerzimmer vor, korrigiert, surft im Internet, bildet sich mit Zeitunglesen weiter, hält ein Schwätzchen mit Kollegen. An meiner Schule hat jede Fachgruppe an einem Tag der Woche „interne Fortbildung“. Da bespricht man Probleme, diskutiert pädagogische Fragen und bereitet gemeinsam Unterrichtssequenzen vor.

 

Die Bezahlung der chinesischen Lehrer ist äußerst unterschiedlich. Ich will nur ein paar Beispiele nennen. Lehrer an der Nankai High School in Tianjin verdienen je nach Unterrichtsmaß und Funktion zwischen 250 und 360 Euro monatlich. Das kann durchaus als mittleres Einkommen betrachtet werden. Viele Lehrer können sich zudem durch Nachhilfeunterricht am Abend und am Wochenende ein zusätzliches Einkommen verschaffen. Lehrern an bestimmten Privatschulen in Tianjin werden Monatslöhne von 800 Euro und mehr angeboten. Im reicheren und entwickelten Südosten Chinas werden Lehrer oft besser bezahlt. 800 bis 1000 Euro plus freie Wohnung sind keine Ausnahme. In wenig entwickelten Provinzen sind die Lehrergehälter weitaus geringer, erreichen kaum 100 Euro.

 

II. Die Nankai High School in Tianjin

Schulgröße

Das riesige Areal der Nankai High School ist von hohen Mauern umgeben, zwischen den Gebäuden finden sich kleine Parkanlagen, mehrere Sportplätze und Zuschauertribünen. In den verschiedenen Gebäuden sind Unterrichtsräume, Sport- und Schwimmhallen, Wohnheime, Speisesäle, Verwaltungsräume und Tiefgaragen untergebracht. Auf dem Campus der Schule leben und arbeiten mehr als 5000 Schüler und knapp 600 Leute als Personal. Das sind Lehrer, Verwaltungsangestellte, Aufseher, Wach- und sonstiges Dienstpersonal. 1000 Schüler wohnen in der Schule im Internat. Wie in ganz China üblich, tragen alle Schüler eine einheitliche Schulkleidung, einen Trainingsanzug in den von der Schule gewählten Farben.

Die Nankai High School ist eine der großen Eliteschulen Chinas. Der frühere Premierminister und Außenminister Zhou En Lai und der jetzige Premierminister Wen Jia Bao haben an der Nankai High School gelernt. Der High School ist eine Grundschule (Elementarschule Klasse 1 bis 6) mit 600 Schülern angegliedert.

Durch die große Schülerzahl ergibt sich auch eine hohe Anzahl von Parallelklassen. Der 10. Schülerjahrgang hat z.B. 21 Parallelklassen, der 11. Schülerjahrgang hat 16 und der 12. Schülerjahrgang hat 15 Parallelklassen. In allen Klassen liegt die Schülerzahl bei 48 bis 62 Schülern.

Innerhalb einer Schule werden Parallelklassen unterschiedlicher Begabungen zusammengesetzt, wie z.B. mehr oder weniger leistungsstarke Klassen, sprachlich oder naturwissenschaftlich ausgerichtete Klassen.

Unterrichtstage sind Montag bis Samstag. Alle Schüler bleiben außer Freitag und Samstag bis 17.15 Uhr in der Schule, damit der Schulschluss einheitlich geregelt ist. In den Freistunden haben sie verschiedene Kurse (Schulchor, Schulorchester, Musikgruppen, Sportgruppen, Debattierclub, Peking-Oper-Gruppe u.a.) oder sie bearbeiten im Klassenzimmer Übungsblätter.